ORF, Austrian National Television – 3. November 2003
GOTTFRIED HELNWEIN: DER MALER UND SEIN HOLOCAUST-MAHNMAL FÜR L.A.
Treffpunkt Kultur: Neunter November Nacht
ORF, Treffpunkt Kultur, 3. November, um 22.30 Uhr, Barbara Rett prasentiert:
Gottfried Helnwein: Der Maler und sein Holocaust-Mahnmal für L.A.
Ein Film von Claudia Teissig.
Schock-Therapeut: Gottfried Helnwein
50 Jahre nach der Reichspogrom-Nacht - im November 1988 - liess Österreichs Schockmaler Gottfried Helnwein vor dem Kölner Dom auf eigene Kosten eine Galerie des Schreckens errichten. Hundert Meter lang, jedes der Bilder vier Meter hoch: Fotos von Vier- bis Achtjährigen - der Tod in ihre bleichen Gesichter geschrieben. Kaum war die Bilderstrasse errichtet, kam es zu den ersten Beschädigungen. Nun stellt Helnwein seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Holocaust in seiner Wahlheimat Los Angeles aus.
Format – 8. Oktober 2003
Christoph Hirschmann spricht mit Gottfried Helnwein über Arnold Schwarzenegger
ARNOLD PASST IN KEIN BEWERTUNGSSCHEMA
Helnwein:
Arnold war schon sehr früh mit Andy Warhol befreundet, zu einem Zeitpunkt wo beide noch unbekannt waren. Aber er hatte sofort Gefallen an dem blassen, schmächtigen, weissblonden Sonderling gefunden, der oft stundenlang in Trainingshallen und Umkleidräumen verbrachte und fasziniert die verschwitzten Kolosse bei ihren diversen Tätigkeiten betrachtete.
Die Inspiration war offensichtlich gegenseitig, denn Arnold beschloss eines Tages, sein Bodybuilding zur Kunst zu erklären. Er wandte sich also an den Chief-Curator des angesehenen Whitney-Museums in New York und überzeugte ihn davon, dass Bodybuilding eigentlich Bildhauerei im klassischen Sinn sei, nur mit dem eigenen Körper als dem zu bearbeitenden Material. Er hat dann mit zwei anderen Kollegen tatsächlich vor staunenden Kunstfreunden, Kuratoren und Trustees des Museums eine Performance inszeniert, die die illustre Runde lange nicht vergessen sollte.
Profil, Wien – 25. August 2003
Interview, Herbert Lackner spricht mit Gottfried Helnwein
ICH KOMME SICHER NICHT ZURÜCK.
Österreich-Gespräch.Maler Gottfried Helnwein über die Vorzüge der katholischen Vergangenheit von Österreich und den Unterhaltungswert der Politik.
"Meine Arbeit hat immer polarisiert. Ich habe immer Leute gehabt, die begeistert und fasziniert waren und ich habe immer Leute gehabt, die mich gehasst haben.
Als ich noch in Wien war und ein Kritiker, der ein Leben lang eine Menge schlechter Bilder ohne Probleme ausgehalten hat, bei mir aber wirklich ausgerastet ist, Schaum vor dem Mund hatte, und fast einen Herzinfarkt gekriegt hat, dachte ich
mir: Siehst du, irgendeine Intensität muss dein Werk haben.
Bei meiner ersten Ausstellung im Wiener Künstlerhaus sind meine Bilder sogar mit Klebern überpickt worden auf denen stand "Entartete Kunst".
Berliner Zeitung – 22. Mai 2003
Wieder einmal vergreift sich der Künstler an einem amerikanischen Idol: Marilyn Manson als Mickymaus.
Das Böse unter der Sonne
Eigentlich aber geht es auf der "Grotesque"-CD um die Zeit der Weimarer Republik, nicht um die Zertrümmerung der letzten Jahrzehnte in Rock und Pop - obwohl "Doll-Dagga Buzz-Buzz Ziggety-Zag" sehr an den geschminkten Sound von The Sweet erinnert. Nach "Antichrist Superstar" und ähnlich umstrittenen Vorbildern ist damit ein neues so genanntes dunkles Kapitel der Zivilisation Thema für den Mann, der bürgerlich Brian Warner heißt. Sein Künstlername, zusammengesetzt aus dem Vornamen einer Schauspielerin und dem Nachnamen eines Massenmörders, verkörpert das von ihm zum Prinzip des Lebens erhobene Extrem von Gut und Böse. Und ein ähnliches, einander bedingendes Gegensatzpaar erkennt Manson auch im Berlin der 30er-Jahre: Unter der Oppression der neuen Machthaber habe die Kreativität gebrodelt - die ganze Stadt sei ein Kabarett, ein Vaudeville-Theater gewesen. Klar, anderswo gab s ja auch keine Arbeit, und so sehen Touristen aus Amerika heute eh gern auf Berlin.
Gottfried Helnwein: Wieder einmal vergreift sich der Künstler an einem amerikanischen Idol: Marilyn Manson als Mickymaus.
Kurier, Wien – 17. Mai 2003
INTERVIEW Der Künstler Gottfried Helnwein über seine Arbeit mit Rockstar Marilyn Manson
DER GEGENSPIELER DER GESELLSCHAFT
KURIER: Was verbindet Sie mit Marilyn Manson?
GOTTFRIED HELNWEIN: Ich glaube, dass wir beide nicht einzuordnen sind. Der Manson ist ja einer, der über das Klischee des Rockmusikers hinausgeht, der hervorragende Performancekunst macht, sehr gut mit visuellen Dingen arbeitet und ausgezeichnet schreibt.
Der Spiegel – 5. Mai 2003
Der Rockmusiker Marilyn Manson, 33, über seine Schock-Kunst, kreative Selbstzensur in den USA und seine neue CD.
"ICH BIN AMERIKAS ALPTRAUM"
Der Rockmusiker Marilyn Manson, 33, über seine Schock-Kunst, kreative Selbstzensur in den USA und seine neue CD.
SPIEGEL:
Helnwein gilt wie Sie als Provokateur des Kulturbetriebes - haben sich da zwei verwandte Seelen getroffen?
Manson:
Ein Künstler, der nicht provoziert, wird unsichtbar. Kunst die keine starken Reaktionen auslöst, hat keinen Wert. Helnwein hat das verinnerlicht und entspricht damit genau dem Kern meiner Musik. Unsere Zusammenarbeit erschöpft sich nicht darin, dass ein Künstler einem Musiker ein Cover für sein Album malt. Wir schaffen zusammen Kunst, die unseren Gemütszustand wiedergibt.
SPIEGEL:
Helnwein sagt, Sie seien ähnlich einsam wie er.
Manson:
Ganz bestimmt. Es ist übrigens nicht nur schön, sondern auch befremdlich, jemanden zu finden, der tatsächlich das Gleiche liebt wie man selbst. Ich bin gewohnt für meine Ideen verurteilt zu werden - und plötzlich ist da jemand, der mich auf Anhieb versteht. Ich war nie ein geselliger Mensch. Das ist einer der Gründe, warum Leute wie ich Entertainer werden - weil sie anders nicht kommunizieren können.
Süddeutsche Zeitung – 5. Mai 2003
Hyperrealismus, an Helnwein geschult. Im Cabinet des Dr. Avary - "Die Regeln des Spiels", eine neue filmische Psychose nach Bret Easton Ellis
BEZIEHUNGSJAZZ
Ein Alptraum an amerikanischer Naivität, aber, sagt Avary, keinesfalls nihilistisch.
Hyperrealismus, an Helnwein geschult, der ein Plakat für den Film geschaffen hat. Eine politische Geschichte - aus einem ähnlichen Sumpf von Alkohol und Lebensüberdruss stammt, eigenem Bekunden nach, der augenblickliche Präsident der USA.
Irgendwann in Europa, in Venedig, kommen weiße Masken ins Spiel. Und ein Gefühl von Leere und Erleichterung.
University Press of Mississippi – April 1, 2003
Helnwein speaks with Carl Barks
Barks may be history's most widely read anonymous storyteller. When he wrote and drew the Donald Duck comic books in the 1950s, they had an estimated monthly readership of more than 10 million, and the only real person's name that appeared on the comic was Walt Disney. The lovingly drawn stories, encompassing uproarious comedy and rousing adventure, also expanded Donald's one-note animated-cartoon personality and introduced Donald's magnificent skinflint uncle, Scrooge McDuck.
Bonn – 1. Februar 2003
Klaus Honnef, die Techniken
GOTTFRIED HELNWEIN - DIE TECHNIKEN
Gottfried Helnwein, keine Frage, ist ein Künstler auf der Höhe der Zeit. Wie alle avancierten Künstler hat er sich nicht nur den Herausforderungen der neuen Techniken gestellt, vielmehr meistert er sie, indem er sie zur immer vollkommeneren Verwirklichung seiner künstlerischen Vorstellungen planvoll nutzt. Niemals verwendet er Technik um ihrer selbst willen oder um mit vordergründigen Effekten zu verblüffen. Er ordnet im Gegenteil die technischen Mittel den Zwecken seiner künstlerischen Ziele strikt unter. Für seine zeitgebundenen Aktionen zu Beginn seiner künstlerischen Praxis waren Fotografie und Film die einzig angemessenen Mittel, wenigstens einen Rest ihrer provokativen Wirkung mit dem Siegel der Authentizität zu erhalten. In diesem Fall war der eigene Körper das hauptsächliche Mittel des künstlerischen Aktes.
Süddeutsche Zeitung – 4. Januar 2003
sueddeutsche.de
LOU REED: KENNEN SIE GOTTFRIED HELNWEIN?
Lou Reed über Horror
(Auszug)
SZ: Deutlicher: Ist die Beschäftigung mit dem Horror Edgar Allan Poes und die Beschäftigung mit dem Raben "Nimmermehr" eine Therapie für Sie?
Lou Reed: Glaube ich nicht. Vielleicht ist es ja eine Therapie für Sie.
SZ: Grundsätzlich kann es ja trostreich sein, sich mit dem Dunklen . . .
Lou Reed: . . . das ist keine Therapie für mich. Kennen Sie Gottfried Helnwein?
SZ: Den österreichischen Künstler?
Lou Reed: Ja, Gottfried Helnwein.
SZ: Nicht persönlich. Einige seiner Sachen kenne ich, ja.
Lou Reed: Mögen Sie seine Sachen?
SZ: Nein.
Lou Reed: Aha.
SZ: Wieso?
Lou Reed: Er ist ein Freund von mir.
SZ: Ist er das?
Lou Reed: Ja. Er hat ein wunderbares Bild von Poe gemalt...